Rückblick auf den Berner Medientag 2026 – Von Christof Berger
Ohne Medien gibt es keine Demokratie. Dieser Satz ist gegenwärtig in mantraartiger Wiederholung landauf landab zu hören und zu lesen. Doch warum ist das so und was haben wir davon? Viel. Denn das Sortieren, Reflektieren und Beobachten von Zuständen und Fakten nach journalistischen Grundsätzen schafft Orientierung. Die mediale Berichterstattung löst politisches Handeln aus, nicht nur von Politikerinnen und Politikern, sondern oft auch von Bürgerinnen und Bürgern, die ein spezielles Anliegen in die Gesellschaft tragen. Und die mit dem Journalismus verbundene Archivierung des Zeitgeschehens wird Teil des kollektiven Gedächtnisses. Fällt dieses weg, sind wir orientierungslos. Diesen Grundsatzfragen widmete sich Ende Februar unter dem Motto «Medien zwischen Staat, Recht und Öffentlichkeit» der 34. Berner Medientag.
Damit die Medien ihre Aufgabe wahrnehmen können, muss es sie natürlich in genügender Anzahl geben und müssen genügend Journalistinnen und Journalisten diese Aufgaben wahrnehmen können. Noch ist die Schweiz keine journalistische Wüste, doch ist erschreckend, wie viele journalistische Stellen hierzulande innert weniger Jahre verloren gegangen sind.
Wenn Behörden mauern
Ein gewichtiges Problem für Medienschaffende zeigt sich in der Informationsbeschaffung. Seit 20 Jahren ist zwar das Bundesgesetz über das Öffentlichkeitsprinzip der Verwaltung (BGÖ) in Kraft. Das Öffentlichkeitsgesetz regelt, dass alle, und somit insbesondere auch Medienschaffende, grundsätzlich Zugang zu jeder Information und jedem Dokument der Bundesverwaltung und Verwaltungen auf Kantons- und Gemeindeebene erhalten, ausser, wenn die Privatsphäre Dritter verletzt oder die Sicherheit des Landes gefährdet wäre. Doch trotz Gesetz beissen Journalistinnen und Journalisten oft auf Granit, wenn sie sich entsprechend dokumentieren wollen. Um sie zu beraten und zu unterstützen, wurde der Verein «Öffentlichkeitsgesetz.ch» gegründet. Dessen Geschäftsführer Martin Stoll schilderte am Medientag Fälle, die er und sein Team beratend begleitet hatten. Oft greifen die Behörden zu Zermürbungstaktiken, um ihre Herausgabepflicht auszusitzen. Als im Nachgang zur Brandkatastrophe von Crans-Montana alle Walliser Gemeinden nach Dokumenten zu ihren Brandschutzmassnahmen angefragt worden waren, verweigerten praktisch alle die Herausgabe mit der Begründung, nicht unsolidarisch mit der Gemeinde Crans-Montana erscheinen zu wollen.
Veraltete Förderinstrumente
Einen Blick auf die Schweizer Medienlandschaft aus der Sichtweise des Bundes richtete sodann Bernard Maissen, seit 2020 Direktor des Bundesamts für Kommunikation (BAKOM). Bei seinem launigen Auftritt fokussierte er auf die begrenzten Möglichkeiten des Bundes bei der Medienförderung, denn eine direkte Medienförderung mittels Gebühren gibt es in der Schweiz nur für die linearen elektronischen Medien, also Radio und Fernsehen. Die gedruckte Presse wird indirekt gefördert durch die Zustellvergünstigung der Postdienste. Praktisch nicht reguliert sind Online und soziale Medien, während die Werbegelder von den klassischen Medien zu den Tech-Plattformen abfliessen. Und nicht nur die Werbegelder fliessen ab, sondern mehr und mehr auch das Publikum, welches zudem nur noch zu 15 % bereit ist, für faktenbasierten Qualitätsjournalismus etwas zu bezahlen. Gegen diese Tendenzen brauche es dringend neue politische Instrumente, so Maissen. Und er beklagte, dass sich die grossen Verlage praktisch nie auf ein gemeinsames Vorgehen einigen könnten, was wiederum dazu führe, dass auch die Politik untätig bleibe.
Wer erklärt uns die Welt?
Nach der Mittagspause präsentierte Franziska Barbara Keller vom Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaften der Universität Bern (KMB) ihre Untersuchungen über Netzwerke von Expertinnen und Experten. Die Professorin war von der Frage ausgegangen, wie Politik in autoritären Systemen funktioniert und wie uns dies in den Medien vermittelt wird. Dies führte alsbald zu den Expertinnen und Experten, beispielsweise Politologinnen, Historiker, Analystinnen und spezialisierte Journalisten, die uns diese Systeme näherbringen. Sie analysierte mit ihrem Team, wer denn in den Medien diese Funktion erfüllt und wie diese zu ihren – oft auch falschen – Prognosen gelangten. Dabei fiel auf, dass sich die Fachpersonen auch gegenseitig beeinflussen und in die Irre leiten können.
Das Grosse beginnt im Kleinen
Davor, im Journalismus politische Brands zu produzieren, wie beispielsweise der «orange Trump» oder der «Kettensägen schwingende Milei», und sich dann diese Zuschreibungen gegenseitig abzukupfern, warnte auch die Politphilosophin Regula Stämpfli. Die Fakten seien oft komplexer und wären es wert, sorgfältig recherchiert zu werden. Zudem lohne es sich, sich mit lokalen Themen zu beschäftigen, denn im lokalen könne auch etwas verändert und gestaltet werden. «Trump können wir nicht wählen», rief sie in den Saal. Dafür sollten wir uns für den Lokaljournalismus einsetzen. Der Fall Epstein sei schliesslich von einer hartnäckigen Lokaljournalistin aufgedeckt worden.
Der 35. Berner Medientag wird Anfang 2027 stattfinden – das genaue Datum werden wir früh kommunizieren.
